Themen und Sprecher
Beim European Publishing präsentieren die besten Medienmacherinnen und Medienmacher Europas ihre Strategien und sprechen über die Zukunft der Branche.
Foto: Anna Dittrich/DER SPIEGEL
Case
Die KI-Strategie beim SPIEGEL
Ole Reißmann // Leiter KI beim SPIEGEL-Verlag, Deutschland
Angefangen hat es mit ChatGPT, einem Chatbot. Doch wie kommt man als Verlag hin zu einer Welt, in der KI ganze Prozesse übernehmen kann? Wie damit umgehen, dass KI das Interface zum Computer wird? Der SPIEGEL hat darauf noch nicht alle Antworten, aber erste spannende Ansätze und Beispiele, die Ole Reißmann vorstellen wird. Der Leiter KI erklärt weiters, wie der SPIEGEL-Verlag den Mitarbeitern Vibecoding ermöglicht, beibringt und den heiklen Prozess steuert: Von ersten Experimenten zu echten Anwendungen.
Foto: Julia Herzsprung
Strategie
KI und Organisation: Der Weg zum KI-fähigen Medienhaus
Laura Seiffe // KI Projektmanagerin, ZEIT Verlagsgruppe, Deutschland
Neue Technologien entfalten ihre Wirkung erst, wenn Menschen sie verstehen und nutzen wollen. Bei der ZEIT Verlagsgruppe steht deshalb nicht allein die Technik im Fokus, sondern der Weg dorthin: Wie gelingt es, eine Organisation mitzunehmen, Hürden abzubauen und echte Kompetenz aufzubauen? Die Antwort liegt in einem engen Zusammenspiel aus Strategie, Kommunikation und praxisnahen Formaten. Ob Workshop, Impuls oder Dialog – jedes Angebot zielt darauf ab, KI greifbar zu machen und Raum für Fragen zu schaffen. Laura Seiffe von der ZEIT Verlagsgruppe zeigt, welche Ansätze sich bewährt haben, wo Stolpersteine lagen und was es braucht, damit technologischer Wandel nicht verordnet wird, sondern wächst. Laura Seiffe verantwortet im Business Development der ZEIT Verlagsgruppe das Thema Künstliche Intelligenz. Nach Stationen in der KI-Forschung und der Start-up-Szene begleitet sie seit 2024 den unternehmensweiten Transformationsprozess, der technologische Innovation mit journalistischer Verantwortung und nutzerorientierter Produktentwicklung verbindet. Die KI-Transformation wird bei der ZEIT als kultureller Wandel verstanden, mit Fokus auf Haltung, Transparenz und gemeinsames Lernen.
Foto: Velora Cycling
Case
Vom Workflow zur Plattform: Der Aufbau eines KI-nativen Verlags
Peter Stuart // Gründer und Betreiber von Velora Cycling, Großbritannien
Was passiert, wenn man eine Redaktion von Anfang an rund um KI konzipiert, anstatt diese einfach an bestehende Systeme anzuhängen? Velora Cycling ist eine Fachpublikation, die von zwei Personen – dem ehemaligen Cyclingnews-Redakteur Peter Stuart und dem KI-Spezialisten Danny Bellion – auf einer maßgeschneiderten, vollständig intern entwickelten redaktionellen Infrastruktur betrieben wird. Das System übernimmt die Nachrichtenrecherche aus Hunderten von Quellen, die Verifizierung, die Produktion und die Verbreitung in einem einzigen integrierten Workflow. Was als Experiment zur redaktionellen Automatisierung begann, hat sich zu einer Art Prototyp für eine andere Art von Verlagsbetrieb entwickelt: einem, in dem KI die Schwerstarbeit übernimmt, der Redakteur aber fest am Steuer sitzt.
Das übergeordnete Ziel ist es, Kapazitäten für originären Journalismus freizusetzen – eine Art von Arbeit, die ein Zwei-Personen-Betrieb normalerweise nicht aufrechterhalten könnte –, während gleichzeitig Tools entwickelt werden, um die Qualität und den Umfang der eigenen Arbeit zu verbessern.
Details von Peter Stuart, einer der beiden Gründer und Betreiber von Velora Cycling in Großbritannien.
Foto: Michael Shelford
Strategie
Vom User Needs Model zu KI in multimodalen Content-Strategien
Dmitry Shishkin // Entwickler des User Needs Model für die BBC, Großbritannien
Es reicht nicht mehr aus, die Bedürfnisse der Mediennutzer zu verstehen. Im Jahr 2026 scheitern Medienhäuser nicht, weil ihnen Einblicke fehlen. Es klemmt an anderen Stellen: Formate sind nicht aufeinander abgestimmt, Systeme sind fragmentiert, Teams sprechen unterschiedliche Sprachen. Dmitry Shishkin, der das ursprüngliche User Needs Model bei der BBC eingeführt und es seitdem auf die Bereiche Nachrichten, Reisen und Sport angepasst hat, zeigt, wie eine saubere Datenarchitektur und gemeinsame Taxonomien sowohl die Skalierung als auch den Einsatz von KI in multimodalen Content-Strategien ermöglichen.
Foto: BILD
Case
Hey_: Die Companion-Strategie bei BILD
Daniel Böcking // Head of AI, BILD, Deutschland
Schon 2023 ist Hey_ als KI-Chatbot bei BILD online gegangen. Inzwischen hat Hey_ 220 Millionen Fragen der User beantwortet. Gleichzeitig hat es sich weiterentwickelt hin zu einem echten Begleiter, der den Usern individuelle Orientierung und praktische Unterstützung im News-Umfeld bietet. Hey_ sprengt die Grenzen des klassischen Artikels und bietet durch Interaktion, Dialoge, Services oder Widgets deutlich mehr als bloße Information, nämlich echte, persönliche Begleitung. Daniel Böcking führt aus, warum BILD im KI-Zeitalter auf eine Companion-Strategie setzt, und welche Weichen dafür gestellt werden müssen.
Foto: Privat
Praxis
Der Übergang von statischem Design zu animiertem Design
Marianne Bahl // Bahl Visuel Strategi, Dänemark
Das E-Paper bildet aktuell eine wichtige Brücke zur Online-Welt. Viele Print-Leser wechseln inzwischen zum E-Paper. Auch neue Abos kommen weitgehend über diesen Kanal. Der nächste Schritt, ein reines Online-Angebot, ist bei einigen Medienhäusern bereits in Sichtweite. Beim Design ist diese Entwicklung nur ungenügend begleitet. Bisher beschränken sich Zeitungen bei ihren News-Websites bei der Berichterstattung oft auf ein Bild pro Story und einen sehr langen Text. Marianne Bahl zeigt Alternativen, die in beiden Welten funktionieren: Also wie eine Infografik aussehen muss, wenn sie nicht nur gedruckt sondern auch animiert erscheinen soll. Wie eine Foto-Reportage für Print und für Online aufbereitet werden muss. Wie eine Multimedia-Story in Print und in Online funktionieren kann. Marianne Bahl ist seit vielen Jahren Mitglied der Jury des European Newspaper Awards. Sie betreibt ihr eigenes Studio, Bahl Visuel Strategi, in Kopenhagen, wo sie integrative visuelle Strategien entwickelt. Mit ihrer Erfahrung als Designleiterin bei der Finanzzeitung Børsen und der Frauenzeitschrift ALT for Damerne sowie als Grafikdesignerin bei Politiken, einer großen dänischen Zeitung, hat sie sich auf visuelle Kommunikation, redaktionelles Design und Storytelling spezialisiert.
Foto: Privat
Strategie
„Liquid Publisher“ als Modell für das Medienhaus der Zukunft
Marcel Semmler // Chief Product Officer für Global Digital Publishing bei Bauer Media, Deutschland
Das Angebot an Inhalten wird explodieren. Nicht jedoch die menschliche Aufmerksamkeit. Das hat enorme Auswirkungen darauf, wie Medienhäuser künftig Geld verdienen. Marcel Semmler skizziert mit dem „Liquid Publisher“ ein Modell für das Medienhaus der Zukunft. KI wird dabei nicht als Zusatzfunktion betrachtet, sondern als Infrastruktur neu definiert. „Die Zukunft der Medien wird nicht davon bestimmt, wer am schnellsten oder am meisten produziert, sondern wer Inhalte am intelligentesten strukturiert“, sagt Marcel Semmler. Als Chief Product Officer für Global Digital Publishing ist er bei der Bauer Media Group für den Wandel hin zu einer produktorientierten Organisation und einer KI-gesteuerten Content-Plattform verantwortlich.
Foto: Jessica Kassner
SAP Media Young Leaders Forum
Generation AI: Leading without a Blueprint
Friederike Marie Föll // Head of Business Transformation & Strategy bei Burda, Deutschland
Medienhäuser werden heute unter Bedingungen permanenter Veränderung geführt: Geschäftsmodelle, die wir für zukunftsfähig hielten, geraten ins Wanken, experimentelles Arbeiten wird zur Normalität, Entscheidungen müssen unter hoher Unsicherheit getroffen werden, während gleichzeitig neue Rollenprofile entstehen und Content-Produktion immer einfacher wird. Wie KI die Medienbranche nicht nur technologisch, sondern vor allem kulturell verändert und wie sich Burda darauf einstellt, sagt Friederike Marie Föll, Head of Business Transformation & Strategy des Burda Verlags.
Foto: Kathimerini
European Weekly Newspaper of the Year: Kathimerini, Griechenland
Erkenntnisse zu einem ungewöhnlichen Relaunch in Zeiten von KI
Michalis Tsintsinis // Chefredakteur der Sonntagsausgabe von Kathimerini, Griechenland
Die Sonntagsausgabe von Kathimerini ist 2026 Europas beste Wochenzeitung. Bei diesem einflußreichen Athener Titel arbeiten 40 Journalisten, 15 Kolumnisten, 7 Fotografen und 6 Designer und Infografiker. Die wöchentliche Auflage beträgt 55.000 Exemplare, das Online-Angebot gilt als vorbildlich. Anstatt eine einzige, groß angekündigte Umgestaltung zu starten, wurde über die vergangenen drei Jahre hinweg eine Reihe von schrittweisen Änderungen umgesetzt. Wie sich dabei Layout, Typografie, Hierarchie und die allgemeine Lesbarkeit verändert haben, erklärt Michalis Tsintsinis, Chefredakteur der Sonntagsausgabe von Kathimerini. KI sieht man bei der Athener Zeitung „als eine einzigartige Chance für traditionelle Medien sich als vertrauenswürdige Inseln verifizierter Informationen in einer zunehmend fragmentierten und unzuverlässigen Informationslandschaft neu zu positionieren.“
Foto: 506.ai
Impuls
Das Ende der Technologiewelt. Warum es Medien am schnellsten trifft
Gerhard Kürner // CEO von 506.ai, Österreich
KI ist aus dem Chatfenster ausgebrochen. Die neue Generation arbeitet nicht mehr als Werkzeug, sondern als eigenständiger Mitarbeiter: Sie recherchiert, prüft, liefert Ergebnisse. Für Medienhäuser bedeutet das eine doppelte Disruption. Es verändert sich nicht nur, wie Content entsteht und distribuiert wird. Mit KI-Agenten entstehen neue Akteure in Redaktionen und Verlagen, die Aufgaben übernehmen, für die es längst keine Menschen mehr gibt. Gerhard Kürner zeigt, warum die entscheidende Frage nicht technischer Natur ist, sondern lautet: Wer traut sich, der Vorgesetzte eines KI-Agenten zu sein? Gerhard Kürner ist CEO von 506.ai, dem Entwickler des KI-Mitarbeiters Kollega, und Co-Founder von Choose European.
Foto: Kevin Payravi
Impuls
Der KI-Revenue-Shift: Warum Lizenzdeals erst der Anfang sind
Ulrike Langer // Trendscout, USA
Verlage, die nur auf Content-Lizenzverträge mit OpenAI, Google & Co. setzen, handeln aus der Defensive. Die eigentliche Chance liegt darin, eigene Infrastruktur für KI-Distribution aufzubauen und die Regeln selbst zu bestimmen: mit strukturierten Daten, API-fähigem Content, Archiv-Monetarisierung. Einige Medienunternehmen machen das bereits - sie verwandeln ihre Inhalte in eine Plattform, verkaufen Datenpunkte an B2B-Kunden, ermöglichen bezahltes Scraping und schnüren neue Produkte aus Archivmaterial. Innovationsexpertin Ulrike Langer zeigt konkrete Case Studys, die funktionieren.
Foto: Wolfgang Koehler
Strategie
Die Madsack-Strategie - Wie schaffen wir zugleich Wachstum und Effizienz?
Thomas Düffert // CEO Madsack, Deutschland
„Wir laufen auf eine wirtschaftliche Lücke zu und der Druck nimmt zu“, sagt Madsack-CEO Thomas Düffert kürzlich bei der „Future of German Media“ in Hannover. Schon die nächsten drei bis fünf Jahre werden darüber entscheiden, wie die nächsten 30 oder 50 Jahre im Journalismus sein werden. Warum Print zur Finanzierung von Journalismus nicht mehr lange reichen wird und warum wir jetzt noch schneller digital wachsen müssen, erklärt Deutschlands Medienmanager des Jahres im Gespräch mit „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand. Außerdem: Warum wir weg von der Reichweite hin zu vertrauenswürdigen Marken steuern müssen und warum wir uns dabei lieber auf uns selbst als auf die Medienpolitik verlassen sollten.
Foto: Bose Park
KI und Audio
Redaktionen und KI: Warum wir eine gemeinsame Datensprache brauchen
Chris Guse // BosePark, Deutschland
Der ungezähmte Einsatz von Künstlicher Intelligenz droht ein Flickenteppich für Redaktionen zu werden. Viele verschiedene KI-Tools bedeuten zu viele Orte, an denen die eigenen Daten liegen. Hinzu kommen immer höhere Kosten. Eine langfristige Strategie setzt die Redaktion selbst als Souverän der eigenen Daten ein. Chris Guse zeigt praktisch, wie das mit einer Medien-Ontologie der Medienproduktion gelingen kann. Er ist Geschäftsführer der Berliner Podcast Produktionsfirma BosePark und hat dort das Konzept der Medien-Ontologie für die Produktion entwickelt.
Foto: met[ads]
SAP Media Young Leaders Forum
KI in der visuellen Kreation: Raus mit den Zeitfressern
Lukas Flöer, Gründer des 3D-Spezialisten Metads, Deutschland
Designer verbringen Stunden damit, Schatten realistisch zu setzen, Lichtquellen anzupassen oder repetitive technische Schritte zu wiederholen – Arbeit, die Können erfordert, aber keine kreative Entscheidung. Lukas Flöer, erfolgreicher Gründer des 3D-Spezialisten Metads, arbeitet mit seinem Team anders: Intelligente Software-Erweiterungen, die sich direkt in die Design-Tools integrieren, automatisieren zeitfressende Prozesse. Das Ergebnis: Hochwertige 3D-Werbung kann schnell und skalierbar produziert werden. Ansätze, die auch im redaktionellen Alltag wertvolle Hilfe leisten.
Foto: Nilay Aydin
Strategie
Der zweigleisige KI-Ansatz bei Russmedia
Lena Leibetseder // Head of Digital Publishing, Russmedia, Österreich
Russmedia in Österreich hat gleich zwei neue KI-Teams gegründet. Zum einen Russmedia Beta, ein KI-Team für das gesamte Medienunternehmen. Dieses konzentriert sich auf einen klaren Proof of Concept-Ansatz. Dabei wird sehr früh geklärt, ob eine Idee realisierbar ist bevor umfangreiche Ressourcen investiert werden. Russmedia Beta beschäftigt sich mit der Identifikation relevanter Use Cases, mit schnellen Prototypen bis zur Skalierungsentscheidung. Die zweite Neugründung ist VOL.at AI Studio. Dieses KI-Team dient ausschließlich der Redaktion. KI-Anwendungen werden direkt aus dem redaktionellen Alltag heraus entwickelt und getestet. Dazu wird sehr eng mit Journalistinnen und Journalisten zusammengearbeitet. Über die Arbeitsweise und Funktionslogik der beiden Teams und über den konsequent experimentellen Proof of Concept-Ansatz, spricht Lena Leibetseder. Als Head of Digital Publishing bei Russmedia stellt sie drei konkrete Leuchtturmprojekte vor, an denen sich zeigt, wie KI journalistische Arbeit unterstützt, Prozesse verbessert und strategischen Mehrwert schafft.
Foto: Privat
Praxis
KI in Nachrichten-Websites und die Zukunft des redaktionellen Designs
Björn Heselius // Leiter der Datenplattform bei Swedish Radio, Schweden
Viele Verlage nutzen bereits KI-generierte Inhalte, um ihr Storytelling zu erweitern und zu bereichern. Eine wichtige Frage bleibt jedoch offen: Warum ist KI nicht auch in der Benutzererfahrung von Nachrichten-Websites eingesetzt? Björn Heselius untersucht diese Lücke und welche Chancen sich daraus ergeben. Weiters befaßt er sich mit dem Wandel im Datenjournalismus und in der Infografik. Anstelle von vollständig immersiven Präsentationen mit großen Datensätzen entscheiden sich immer mehr Medien für visuell eindrucksvolle, sorgfältig kuratierte Erzählungen, die auf ausgewählten, aussagekräftigen Datenpunkten basieren. Heselius zeigt anschauliche Beispiele, praktische Inspirationen und ein Blick in die Zukunft des redaktionellen Designs – zusammen mit Denkanstößen für die nächste Innovationswelle im Journalismus. Björn Heselius ist Leiter der Datenplattform bei Swedish Radio in Stockholm und ein führender Experte im Bereich digitale Transformation und Nachhaltigkeit. Er hat international für große Medienhäusern gearbeitet, um neue Formen des Storytellings zu entwickeln und fortschrittliche Technologien in redaktionelle und Produktstrategien zu integrieren. Seine Arbeit verbindet Design, Innovation und datengesteuerte Entwicklungen.
Foto: Karla Schroeder
SAP Media Young Leaders Forum
Wie Journalismus auch abseits der Hotspots KI-gestützt wachsen kann
Maximilian Helm // Leiter Digitaldesk Sächsische Zeitung, Deutschland
Der deutsche Bundesland Sachsen hat eine ältere Bevölkerung, wirtschaftliche Herausforderungen und ist politisch instabil. Deshalb braucht es dort einen anderen Journalismus: aufgeschlossen, positiv und bürgernah, sagt Maximilian Helm, Leiter des Digitaldesks der Sächsischen Zeitung. Er stellt sein Konzept für Wachstum in ländlichen Gebieten vor: eine einzigartige Synergie aus Einfühlungsvermögen, lokaler Berichterstattung und KI-gestützter Effizienz.
Foto: FUNKE Foto Services Reto Klar
Case
KI und Newsletter: Wie Haltung im Posteingang zum strategischen Vorteil wird
Pascal Biedenweg // Digitalchef, FUNKE Medien Berlin/Berliner Morgenpost, Deutschland
KI kann Newsletter schneller schreiben als jede Redaktion. Doch ohne erkennbare Haltung wird aus einem Newsletter nur ein Verteiler: effizient produziert, aber austauschbar. „Ein KI-Text ist noch lange keine publizistische Stimme und er übernimmt auch keine Verantwortung“, sagt Pascal Biedenweg. Der Digitalchef FUNKE Medien Berlin / Berliner Morgenpost berichtet über seine Erfahrungen aus dem redaktionellen Alltag mit konkreten Beispielen, Fehlern und Learnings darüber, wie Haltung im Newsletter zum strategischen Vorteil wird.
Foto: Kevin Payravi
Impuls
Bauen, kaufen oder abgehängt werden: Der neue Markt für KI-Tools im Newsroom
Ulrike Langer // Trendscout, USA
US-Newsrooms bauen KI-Tools, die nicht nur im eigenen Unternehmen funktionieren - manche werden open source für die gesamte Branche verfügbar, andere bringen Lizenzeinnahmen. Europäische Verlage stehen vor einer strategischen Entscheidung: selbst entwickeln, übernehmen, was aus den USA kommt, oder den Anschluss verlieren. KI-Expertin Ulrike Langer kartiert die Landschaft und liefert einen Entscheidungsrahmen für Build versus Buy.
Foto: Pope
Case Podcast
Podcast: Der KI-sichere Zukunftsmarkt
Stefan Lassnig // Gründer & Geschäftsführender Missing Link Media, Österreich
Die Geschichte der Nonnen von Goldenstein schaffte im Vorjahr weltweit Aufmerksamkeit. Ausgelöst wurde der internationale Hype durch den österreichischen Investigativ-Podcast „Die Dunkelkammer“ von Michael Nikbakshsh und Edith Meinhart. Mitgegründet wurde dieser Podcast von Stefan Lassnig. Sein Wiener Unternehmen Missing Link vermarktet „Die Dunkelkammer“ und rund 100 andere österreichische Formate. Vorbild für Lassnig sind die USA, wo Podcasts längst beeindruckende Nutzerzahlen erreichen und zugleich Milliarden an Werbeumsätzen erwirtschaften. Eine Entwicklung, die wir auch für Europa erwarten können? Stefan Lassnig erklärt, warum Audio im Umfeld von KI viele spannende Aspekte für die Zukunft von Medienhäusern hat. 2025 wurde er als Medienmanager des Jahres in Österreich ausgezeichnet.
Foto: BILD
Case
BILD und Upday: Agenten bei der Arbeit
Dennis Bappert // VP Engineering, Axel Springer, Deutschland
Daniel Böcking // Mitglied der Chefredaktion und Head of AI, BILD, Deutschland
KI wird oft als Tool gesehen, als Hilfsmittel im bestehenden System. Bei BILD und Upday wurde früh damit begonnen, KI nicht nur unterstützend einzusetzen, sondern sie tief in redaktionelle Prozesse zu integrieren. Dennis Bappert und Daniel Böcking geben Einblick in die Entwicklung von KI-gestützten Content-Pipelines, Newsroom-Agents und neue Workflows. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Wie verändert sich journalistische Verantwortung, wenn KI mehr Mitarbeiter ist statt nur ein Werkszeug? Welche Voraussetzungen sind nötig, damit daraus echter Mehrwert entsteht? Und: Wie macht uns KI nicht nur effizienter, sondern unsere Marken besser und journalistisch wertvoller?
Foto: Annette Milz
Strategie
„Die Zukunft ist schon hier, aber nicht überall gleich angekommen“
Richard Socher // CEO you.com, USA
Das sagt Richard Socher. Als Unterstützung bei der Recherche und für Fakten-Checks hat sein Unternehmen you.com bei zahlreichen Medien KI-Agents eingeführt. Unter anderem für die dpa in Deutschland und den „Telegraph“ in UK. You.com entwickelt auch Styleguides, die Texte im Stil des jeweiligen Mediums erstellen oder verbessern. „In Zukunft geht es aber darum, dass fast alle Artikel interaktiv und auch mit Videos verknüpft sein sollten. Das hält die Leute länger auf der Seite“, sagt Socher. Als gutes Beispiel nennt er die „New York Times“: Sie hat damit schon so etwas wie ihr eigenes kleines Instagram geschaffen mit einem „Recommendation-System“. Solche Instrumente sollten zur Basis von Redaktionen gehören, empfiehlt Socher. Wie Medienhäuser mit KI ihre Prozesse effizienter gestalten, wie sie bestehende Produkte verbessern und neue entwickeln, erklärt er im Gespräch mit Annette Milz. Thema wird dabei auch sein: Was müssen Medien leisten, was die KI nicht kann? Richard Socher zählt weltweit zu den wichtigsten KI-Pionieren. Der gebürtige Dresdner war u. a. Professor in Stanford und Chef-Wissenschaftler bei Salesforce, bevor er 2020 you.com gründete, das heute mit etwa 1,5 Milliarden Dollar bewertet wird.
Foto: Martin Rupik
SAP Media Young Leaders Forum
So funktioniert KI-Content für Gen-Z
Niklas Schwab, Kariko Kimathi // Gründer „Hedgefonds Henning“, Deutschland
Creator Niklas Schwab und sein Co-Founder Kariko Kimathi erreichen über ihre Social Media Accounts vor allem junge Menschen. Alleine bei Instagram haben sie 300.000 Follower, bei Tik Tok 35.000. Ungewöhnlich ist auch die inhaltliche Ansprache des jungen Publikums, nämlich mit innovativen Formaten wie Memes, die sie weitgehend KI-gestützt erzeugen. Die beiden Gründer zeigen, wie ein junges Medienunternehmen KI nicht nur als Tool, sondern als redaktionelles Grundprinzip einsetzt – von der Idee bis zur Publikation. Und sie sagen, auf welche Technologie sie setzen, wie sie journalistische Qualität sicherstellen, und warum dieser Weg für Gen-Z-Medien besonders gut funktioniert.
Foto: Kevin Payravi
Live-Briefing
KI in Newsrooms: Was jenseits vom Hype wirklich passiert
Ulrike Langer // Trendscout, USA
Keine Keynote sondern ein Arbeitsbriefing im kleineren Rahmen. KI-Expertin Ulrike Langer greift auf ihre laufend aktualisierte Fallstudien-Datenbank zurück und geht mit dem Publikum die wichtigsten Entwicklungen der letzten Wochen und Monate durch. Echte Zahlen, echte Ergebnisse, echte Fehlschläge. Fragen jederzeit. Was Ulrike Langer jede Woche für ihr News Machines Newsletter-Publikum macht - hier live, exklusiv und komprimiert für die Teilnehmenden des European Publishing Congress.
Foto: Martin U.K. Lengemann/Welt
Case
Wie KI die Arbeit im Newsroom der „Welt“ verändert hat
Olaf Gersemann // Stellvertretender Chefredakteur der „Welt“, Deutschland
Die „Welt“ von Axel Springer zählt im deutschsprachigen Raum zu den führenden Medienmarken beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Olaf Gersemann, stellvertretender Chefredakteur, erläutert, wie KI die Arbeit im Newsroom bereits heute entscheidend unterstützt – etwa durch Avatare und Stimmenklone, die Inhalte automatisiert vertonen und in Audio- sowie Videoformate überführen. Zudem erklärt er, welche Do-it-yourself-Tools sein Team einsetzt und wie die Openclaw-Revolution redaktionelle Prozesse weiter verändert.
Foto: T Bartilla Future Image
Keynote
KI und Journalismus: Die Wahrheit ist unantastbar – selbst wenn sie weniger spektakulär aussieht
Stefan Aust // Deutschland
Als Chefredakteur beim „Spiegel“ hatte er die richtigen Leute auf die richtigen Themen zu setzen, die passenden Titel zu entwickeln. „Und das war wirklich eine Kunst für sich“, sagt Stefan Aust. Mit dem Leiter der Titelgrafik hat er stundenlang an den Covern gefeilt. Damals wurde die Hälfte der Auflage am Kiosk verkauft und Titelthema, Titelbild und Titelzeile bestimmten den Erfolg des Heftes. Wie sich in Zeiten von Social Media und KI die Rolle der Medien verändert hat und wie er die Zukunft des Journalismus einordnet, analysiert Aust in seiner Keynote. Am European Publishing Congress wird er für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Foto: Harry Bellach
SAP Media Young Leaders Forum
Linkedin als Booster für Linkedin Vermarktung und Networking
Constantin Kaindl // Gründer und Geschäftsführer von wirdenkenlokal, Deutschland
Constantin Kaindl ist Gründer und Geschäftsführer des Portal wirdenkenlokal. Einer der größten Booster für sein Geschäft, so sagt er, war sein Linkedin-Account. Dort erreicht er rund 9.000 Follower und erzielt zwischen 700.000 und 900.000 Impressionen mit Beiträgen aus der Region Mittelfranken/Metropolregion Nürnberg.
Foto: RP/Krebs
Case
Der Akzeptanz-Test: Was unsere Nutzer von KI-Inhalten halten
Henning Bulka // Stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post, Deutschland
KI kann Inhalte in Sekunden erzeugen – aber wie gehen unsere Nutzer tatsächlich damit um, wenn KI nicht nur im Hintergrund hilft, sondern sichtbarer Teil des Produkts wird? Wie KI-generierte Inhalte vom Publikum bewertet und welche Erwartungen dabei an eine journalistische Marke geknüpft werden – und welche Fragen deshalb Redaktion und Produkt gemeinsam beantworten müssen, erklärt Henning Bulka, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Anwendungen: KI-generierte Audio-Inhalte und der Gastro-Chatbot Yummy. Henning Bulka zeigt, welche Signale die Nutzer geliefert haben und welche Schlüsse die Redaktion daraus gezogen hat, die dann direkt in Produktentwicklung und Entscheidungsprozesse eingeflossen sind – und die auch Learnings für andere Medienhäuser sein können.
